Schienentherapie

Die sog. CMD (=Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion) kann mit sehr unterschiedlichen Schmerzausprägungen im Bereich des Unterkiefers, im Bereich des Ohreingangs und der Halswirbelsäule (ausstrahlend bis in den Schulterbereich einhergehen. 

Meistens sind nicht therapierte Kiefer- und Zahnfehlstellungen, bei der Ober- und Unterkiefer nicht richtig zusammenpassen, Kiefergelenk-und Kaumuskel-fehlfunktionen oder Probleme in der Ganzkörperstatik (Blockierungen der Wirbelsäule, dauernde Fehlhaltungen und Dysbalancen) die Faktoren einer CMD.  

Für den Patienten im Vordergrund stehen Verspannungen der Muskulatur im Kiefer- und Nackenbereich im Vordergrund, welche erst gar nicht in Zusammenhang mit Kiefer- und Kaumuskulatur denken lassen. Bei längerem Bestehen kommt es auch zu Ohrenschmerzen, Tinnitus, Migräne, Schwindel und Schluckstörungen.  

Der Kieferorthopäde startet die Behandlung mit einer inach den individuellen Gegebenheiten angepaßten Funktionsschiene, die nach einer aufwendigen 3-D-Vermessung der Kieferposition im Schädel hergestellt wird (Axiografie mit individueller Gelenksbahnaufzeichnung nach dem Girrbach-Reference-System mit individuell justierbarem Artikulator).  

Dazu wird der Biss durch die Schiene leicht gesperrt. Parallel dazu wird der Physiotherapeut die muskulären Gruppen in mehreren Sitzung realxieren, sodaß die Unterkieferposition nicht durch asymmetrisch verspannte Muskelgruppen gestört wird. 

Körperliche Beschwerden – die Ursache liegt oft im Mund 

Prof. Dr. Stefan Kopp, Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie am Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 

Bei „Plattfüßen“ zum Zahnarzt? „Stimmen die Biss-Positionen der Zähne nicht überein, kann das tatsächlich zu ‚Plattfüßen‘ führen, wie der Volksmund sagt. Auch Kopf- und Bauchweh, sogar Rücken- und funktionale Herzschmerzen sind möglich – von Ohrgeräuschen,Nackenbeschwerden oder Beißproblemen ganz zu schweigen“, erklärte Professor Stefan Kopp von der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. 

Anlässlich des Infotages des Kuratoriums perfekter Zahnersatz am Mittwoch, 21. November 2012, beschrieb er, wie die einzelnen Bewegungsabläufe im Körper zusammenhängen. 

„Ein fehlender Zahn im Mund, was macht das schon?“ – so denken viele Patienten. „Gerade Zahnprobleme werden leider oft verharmlost. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das völlig falsch. Denn durch Zahnlücken oder durch schief stehende Zähne entstehen häufig sogenannte Dysfunktionen. 

Der Schmerz tritt dann aber nicht unbedingt im Mund auf, sondern an einer völlig anderen Stelle im Körper. Auch das weit verbreitete Zähneknirschen in der Nacht löst oft Probleme in anderen Körperbereichen aus“, so Kopp. Das Phänomen ist schon sehr lange bekannt. Der amerikanischeHNO-Arzt James B. Costen (1895-1962) wies bereits in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts darauf hin, dass Zähne und der Zusammenbiss dieser Zähne etwas mit der Befindlichkeit im gesamten Bewegungssystem und mit Schmerzen überall im Körper zu tun haben. 

„Es heißt nicht umsonst: An einem Zahn hängt ein ganzer Mensch“, erklärte Kopp. Alle Kräfte, die auf unseren Körper wirken, werden in auf- und absteigenden Ketten weitergeleitet: Durch einen fehlerhaften Zusammenbiss können somit ungünstige Funktionen entstehen, die sich über den Nackenbereich, die Schulter und das Becken bis zur Fußsohle auswirken: Das komplette Gangbild eines Menschen wird beeinflusst. 

„Zahnmediziner haben deshalb die wichtige Möglichkeit, systemisch auf den Körper zu wirken“, erklärte Kopp. Mund- und Allgemeingesundheit gehören deshalb für ihn zusammen: „Bei länger anhaltenden Beschwerden im gesamten Bewegungsapparat ist der Besuch des Zahnarztes unbedingt zu empfehlen“, riet er. Durch die fachübergreifende Zusammenarbeit mit Orthopäden, Manualmedizinern und Osteopathen, aber auch mit Allgemeinmedizinern, Hals-, Nasen-,Ohrenärzten, Neurologen und Psychotherapeuten werde betroffenen Patienten häufig dauerhaft geholfen. 

„Das Team Zahnarzt/Kieferorthopäde/Zahntechniker ist in einem derart zusammengesetzten interdisziplinären Expertenkreis oft die zentrale Schaltstation, in der Diagnostik und Therapie organisiert und durchgeführt werden“, resümierte Kopp. 

Korrespondenzadresse: 

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Stefan Kopp 

Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main 

Poliklinik für Kieferorthopädie 

Theodor-Stern-Kai 7 

60596 Frankfurt am Main 

E-Mail: kopp@med.uni-frankfurt.de  

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